Berühmte Brückenbauer: Fritz Leonhardt


Als namhaftester deutscher Brückenbauer gilt Prof. Dr. Fritz Leonhardt. Wie bereits Eiffel wurde er trotz vielfältiger Leistungen beim Brückenbau eher für ein Turmbauwerk bekannt, nämlich für den Stuttgarter Fernsehturm, der viele andere Turmbauprojekte auf der ganzen Welt für das Planungsbüro des Bauingenieurs nach sich zog. Auch das Drahtseilnetz des Münchner Olympiastadions geht auf sein Konto. Nichtsdestoweniger begründet sich der Ruhm des 1909 in Stuttgart geborenen und 1999 ebenda verstorbenen Bauingenieurs und Professors für Massivbau an der Universität Stuttgart gleichermaßen durch Hunderte von Brückenbauprojekten in Deutschland und auf der ganzen Welt.

Besonders prägend für den jungen Leonhardt war sein Vater, der als Architekt seinen Sohn auf die Harmonie und Balance von Technik und Ästhetik hinwies. Diese Prägung sollte Leonhardt sein ganzes Leben bei seinen Bauprojekten begleiten, die stets zum Ziel hatten, Brücken oder Türme elegant und harmonisch in die Umgebung einzupassen. Nach einem kurzen Weiterbildungsaufenthalt in den USA kehrte er 1934 zurück und beteiligte sich im Rahmen einer Beamtenposition in der 1933 gegründeten Gesellschaft „Reichsautobahnen“ am Ausbau des deutschen Straßennetzes. 1938 verließ er den Staatsdienst, um sich selbstständig zu machen und erhielt im gleichen Jahr einen Auftrag für den Bau der damals größten Hängebrücke Europas in Köln-Rodenkirchen, die 1941 von den Alliierten im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Die Chance, diese Brücke ein zweites Mal zu bauen erhielt Leonhardt nach dem Ende des Krieges. 1948 baute Leonhardt die Deutzer Brücke in Köln als erste Stahlkastenträgerbrücke der Welt und viele weitere größere und kleinere Brücken in Deutschland. Auch im europäischen Ausland, z.B. in Portugal und Dänemark, waren die Fähigkeiten und Kenntnisse des deutschen Brückenbauers gefragt und Leonhardt konnte verhindern, dass beim Bau der Lille-Baelt-Brücke in Dänemark die gleichen untauglichen Versteifungsträger zum Einsatz kamen wie bei der eingestürzten Tacoma-Narrows-Bridge in den USA. 1967 gewann Leonhardt einen internationalen Ideenwettbewerb mit einem Plan zur Überbrückung der Straße von Messina, dessen Realisierung jedoch immer noch aus finanziellen Gründen aussteht.

Leonhardt war von 1957 bis 1974 Hochschulprofessor und zeitweise sogar Rektor für das Fach Massivbau an der Universität Stuttgart. Er schrieb neben vielen anderen Publikationen unter anderem ein Standardwerk für Bauingenieurstudenten über den Gebrauch von Spannbeton. Ferner setzte er sich für innovative Ideen im Brückenbau in Deutschland ein, erkannte die Vorteile der Schrägseil-Konstruktion, erfand die Material sparende orthotrope Platte und gilt als Erfinder der kostensparenden Bauweise des Taktschiebeverfahrens. 1953 ließ er sich seine Idee der Monokabel-Hängebrücke patentieren, deren Ausführung erst Jahre später durch die Behörden zugelassen wurde.

Im Mittelpunkt von Leonhardts Werk steht das Bemühen um einen Ausgleich zwischen Bautechnik und Ästhetik. Breiten Raum in seinen Publikationen nehmen die Ausführungen zur Verantwortung von Ingenieuren bei der Veränderung des Landschaftsbildes ein. Mehr als andere Bauingenieure gab Leonhardt der Ästhetik beim Brückenbau den Vorrang. Denn Brücken sind auch Kulturdenkmäler.

Fritz Leonhardt 2009
Zum Gedenken an Prof. Dr.-Ing. Fritz Leonhardt, der 1999 verstorben ist und im Jahr 2009 seinen hundersten Geburtstag feiern würde, wurde Fritz Leonhardt mit dem Fritz Leonhard Tag im Jahr 2009 von der Deutschen Ingenieurskammer und der Universität Stuttgart geehrt. Im Rahmen einer Ausstellung / Symposiums wurde auch zum 4. der Fritz Leonhardt-Preis verliehen.