Building the Third Millenium – Bauen für das dritte Jahrtausend:
Ein internationales Symposium als Beitrag der Universität Stuttgart zur Fritz-Leonhardt-Retrospektive
Vom 15. bis 17. Juli 2009 fand unter dem Motto „Building the Third Millenium - Bauen für das dritte Jahrtausend“ ein internationales Symposium statt zu Ehren von Fritz Leonhardt, der am 11. Juli 2009 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.Prof. Fritz Leonhardt, ehemaliger Ordinarius für Massivbau und Rektor der Universität Stuttgart, gilt als einer der berühmtesten Bauingenieure der Nachkriegszeit in Deutschland. Im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten veranstaltete die Universität Stuttgart eine hochkarätig besetzte Tagung. Die Organisation lag in den Händen des „Instituts für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren (ILEK)“ und die Themen des Symposiums widmeten sich aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Architektur und im Bauingenieurwesen. Diese akademische Veranstaltung war ein Baustein der umfassenden Retrospektive auf die Person und das Werk Fritz Leonhardts, mit der man sich im LBBW-Forum am Stuttgarter Hauptbahnhof einen Monat lang von Juni bis Juli 2009 vertraut machen konnte.
Das Symposium erstreckte sich über drei Tage vom 15. bis zum 17. Juli 2009, wurde im LBBW-Forum am Hauptbahnhof Stuttgart mit einer Diskussionsrunde eingeleitet und an den nächsten beiden Tagen im Campus Vaihingen, Pfaffenwaldring 14 fortgesetzt. Hier fanden die offizielle Eröffnung und das Vortragsprogramm statt unter Anwesenheit von Medien- und Pressevertretern. Der in der Nachfolge von Fritz Leonhardt und Jörg Schlaich als Institutsleiter stehende Prof. Werner Sobek leitete die Tagung, die thematisch so ausgerichtet war, dass die aktuellen Entwicklungen im Bauwesen in Bezug auf Beton- und Brückenbau ebenso zur Sprache kamen, wie Tendenzen im Leichtbau und nicht zuletzt die Fragen des nachhaltigen Bauens. Die Beiträge der Redner, die sowohl aus dem Bereich der akademischen Forschung als auch aus der Baupraxis, der Architektur und Technikgeschichte stammten, wurden jeweils eingeleitet durch einen Prolog, der den Bezug zu den historischen Leistungen von Fritz Leonhardt herausarbeitete.
Eröffnet wurde das Symposium durch Prof. Sobek, den Institutsleiter, den Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Wolfram Schuster und den Rektor der Universität Prof. Wolfram Ressel. Highlights unter den fachbezogenen Beiträgen waren unter anderem der Vortrag des Bauingenieurs Bill Baker, bekannt für seine Wolkenkratzer-Konstruktionen, die sogenannte „Brücken-Session“ unter dem Titel „Widespans“, moderiert von Prof. Jörg Schlaich und begleitet von Holger Svensson, Mitarbeiter des durch Fritz Leonhardt gegründeten Ingenieurbüros „Leonhardt, Andrä und Partner“ sowie den Schweizer Brückenbauer Christian Menn. An der eröffnenden Diskussionsrunde im LBBW-Forum zu den Themen „Engineering of Tomorrow“ und „Wege zu mehr Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeitspotentiale bei Gebäuden“ nahmen Prof. Hans-Jörg Bullinger von der Fraunhofer-Gesellschaft, Hans-Dieter Hegner vom Bundesbauministerium und Prof. Klaus Sedlbauer, Lehrstuhlinhaber für Bauphysik an der Universität Stuttgart, teil.
Fritz Leonhardts Anliegen war stets eine Synthese von vollendeter Ingenieurbaukunst und ästhetischer Form. Diesbezüglich war er wegweisend durch seine innovativen Konstruktionen, seien es Fernsehtürme, Spannbeton- oder Schrägseilbrücken. Der bei seiner Fertigstellung im Jahre 1956 durchaus umstrittene Stuttgarter Fernsehturm gilt heute als Symbol und Aushängeschild der Landeshauptstadt und wurde mit seinen Sendemasten aus Stahlbeton beispielhaft für viele nachfolgende Turmprojekte. Ebenso wie seine Rheinbrücken in Köln und Düsseldorf, wurden Leonhardts Forschungen im Spann- und Stahlbetonbau weltweit bekannt und so war es nur konsequent, dass er von 1958 bis 1974 eine ordentliche Professur für Massivbau an der TH Stuttgart bekleidete und sich während der Zeit der Studentenunruhen von 1967 bis 1969 für die Belange der Universität als Rektor einsetzte.
Fritz Leonhardt ist international vielfach geehrt worden. Zu den Preisen und Auszeichnungen gehören unter anderem die Freyssinet-Gedenkmünze der „Féderation Internationale de la Précontraint“, die Goldmedaille der „Institution of Structural Engineers“ sowie einige Ehrendoktorwürden. Umgekehrt gilt heute der Fritz-Leonhardt-Preis als einer der bedeutsamsten Bauingenieurpreise Europas und wird in bestimmten Abständen an herausragende Bauingenieure oder Repräsentanten zeitgenössischer, internationaler Ingenieurbaukunst vergeben.